Montag, 13. Mai 2013

Photographiere Dich selbst!

Fotoautomat in der Weserstraße in Berlin Neukölln
Berlin-Neukölln

Mit 12 oder so brauchte ich dringend Passbilder für einen Schülerausweis. Also fütterte ich den Fotoautomaten im Fürther Hauptbahnhof mit fünf (!) Mark, soweit ich mich erinnern kann, und setzte mich vor die Linse. Dass es ohne Vorwarnung blitzen würde, hatte ich nun gar nicht erwartet (warum eigentlich nicht, frage ich mich heute?) – und viermal hintereinander schon gar nicht. Folglich erschrak ich ganz fürchterlich und schließlich spuckte die Maschine einen Streifen mit vier Fotos aus, auf denen ich erst suchend in die Gegend schaue, dann nur zur Hälfte zu sehen bin und schließlich Augen und Mund aufreiße wie ein Schaf bei Gewitter. Eines der Bilder wanderte aber tatsächlich in meinen Ausweis; das Dokument der Schande liegt sogar noch in einer Kruschtelschublade herum, wenn mich nicht alles täuscht.

Es ist schon eine Weile her, dass ich auf einem unserer sonntäglichen Streifzüge beim Rosa-Luxemburg-Platz einen dieser neuen alten “Photoautomaten” (schön Vintage mit “ph”) entdeckte. Die Liebste ließ sich überzeugen und wir wurden Grimassen schneidend und blödelnd geknippst, in Schwarzweiß und ohne zu erschrecken. Der Filmstreifen hängt am Kühlschrank. Wie es sich gehört.

Echte SW-Fotos für nur zwei (!) Euro an ziemlich vielen Orten in Berlin (und in noch ein paar anderen Städten): www.photoautomat.de

Das Foto gehört eigentlich zur Serie “Vintageprints digital: Berlin am Sonntagnachmittag”. Aus unerfindlichen Gründen habe ich es damals nicht mitveröffentlicht. Die Fotos entstanden mit einer Praktica MTL 5B.

Sonntag, 12. Mai 2013

Gelesen und gewonnen: “Zeit-Fotografie” und “Ästhetik des Aufgebens”

Gelesen

Zeit-Fotografie

Vergangenen Donnerstag holte ich mir zum ersten Mal seit langem wieder “Die Zeit”. Gelockt hatte mich das beiliegende Foto-Magazin, auf dem Titelbild der junge F. C. Gundlach mit dem Satz “Wie mache ich ein gutes Foto?” Diese Frage quält mich ja auch regelmäßig. Erst vorgestern sah ich alte Dias von 1994 durch, eine Rundreise durch England und Schottland, und war ganz ermattet von den seltsamen Bildern, die ich damals gemacht hatte. Franz Christian Gundlach, wie er mit ganzem Namen heißt, wäre vermutlich ebenfalls nicht begeistert gewesen, hätte er sie im Magazin ab Seite 20 besprochen. Wie das aussieht, kann man auch online nachlesen. Es gibt Überschneidungen mit dem Heft, aber es doppelt sich nur an wenigen Stellen. Sehr schön und anregend ist das Interview mit dem mittlerweile 86jährigen Gundlach. Es liest sich, als würde ein weit jüngerer Mann uns etwas über seine Lieblings-Fotografien erzählen.

Mindestens genauso gelungen ist das Kapitel “Unsere Lichtgestalten”: Fotografen des Zeitmagazins stellen eigene Fotos vor und erläutern kurz, wie sie entstanden sind. Davon hätte ich gerne mehr gehabt. Mon dieu, ich wusste nicht, dass Gérard Depardieu so fett geworden ist, wie auf dem Bild von Jonas Unger.

Anfänger finden gute, wenn auch etwas knapp zusammengefasste Tipps in der kleinen Fotoschule; die unvermeidliche Seite mit dem Kamerakaufempfehlungen hätte sich “Die Zeit” meiner Meinung nach sparen können. Wie die Auswahl – von jeder Geräteklasse genau ein(!) Modell – zustande kam, würde mich schon interessieren. In rund 80 Zeilen kommt wenigstens der Hinweis, auch nach Auslaufmodellen Ausschau zu halten. Aber warum nicht auch nach gebrauchten Kameras? 

Aber sei’s drum. Das Magazin lohnt sich schon wegen der guten Fotos, und zum Preis von 4,50 Euro bekommen die Leserauch einen dicken Packen Wochenzeitung dazu. Also schnell zum Kiosk, ich glaube am 16. Mai ist diese Ausgabe dann verschwunden. Übrigens: passend dazu gibt es auf Zeit online eine Themenwoche.

Gewonnen (und natürlich auch angeschaut)

Ästhetik des Aufgebens

Sehr gefreut habe ich mich über ein Fotobuch, das ich mir am Samstag von der Post abholte. “Ästhetik des Aufgebens” von Sebastian Weise zeigt auf 96 Seiten leere Wohnungen, Schneewehen in durchgebrochen Dachgeschossen, brüchige Spuren der Bewohner in den abgewrackten Räumen. Den Bildband entdeckt hatte ich auf der Webseite von Bildwerk3 – beim Betrachten der Fotos bekam ich einen regelrechten Vergangenheitsflash. Die Szenen erinnerten mich so sehr an die verlassenen Häuser Leipzigs. Ich hatte beim Durchklicken der Fotos sofort wieder diesen Geruch in der Nase: nach Moder und Verfall, nach Verlassenheit und DDR-Bodenbelägen. Weil Bildwerk3 das Buch unter allen Kommentierenden verloste, schrieb ich einfach hin, was mir durch den Kopf ging:

“Die verlassenen Wohnungen in den morsch gewordenen Gründerzeithäusern, die ich in meiner Leipziger Zeit vor 20 Jahren sah, waren voller nutzlos gewordener Dinge. Zurückgelassen von Bewohnern, die über Nacht in wilder Flucht verschwunden schienen.”

Wie ihr seht, wurde mein Kommentar ausgewählt. Vielen Dank nochmal an Marko Radloff von  Bildwerk3 und an den Mitteldeutschen Verlag in Halle/Saale, wo der sehr sorgfältig gestaltete Band erschienen ist. Bildwerk3 verlost übrigens jede Woche ein Fotobuch von wechselnden Verlagen, immer freitags wird ein neues Werk vorgestellt. Es lohnt sich jedoch die Seite auch wegen der spannenden Fotografinnen und Fotografen, die Radloff und seine Mitschreiber/-innen ständig vorstellen, öfter zu besuchen.

Freitag, 26. April 2013

12tel Blick: Wenn der Kirschbaum blüht…

… ist endlich Frühling. Ich muss zugeben, dass ich das Bäumchen jeden Tag aus der Nähe unter die Lupe nahm, um den Beginn der Blüte ja nicht zu verpassen. Und heute, am letzten Aprilfreitag, war es endlich so weit: die ersten zarten Kirschblüten waren aufgegangen.

12tel Blick April

Weil ich wie immer viel zu spät von Arbeit nach Hause kam, konnte ich den schönen Sonnentag nicht mehr fürs Foto nutzen. Inzwischen hatte es geregnet, dicke Wolken verdunkelten den Himmel. Aber trotz der frühen Dämmerung wollte ich mein Foto unbedingt heute machen. Denn nächste Woche wird es mit der Zeit wahrscheinlich zu knapp, am Wochenende habe ich auch keine Gelegenheit.

Eigenartigerweise hatte ich diesmal enorme Schwierigkeiten, wieder den exakten Blickwinkel zu finden. Entweder hatte ich zu viel Straße auf dem Bild oder das (unsichtbare) Bushäuschen links von der Kamera schob sich mit seinem Dach ins Bild. Mir fehlte wohl etwas die Ruhe und Gelassenheit, als ich meine Kamera aufbaute. Aber solche Tage gibt es eben auch.

Die Aprilbilder des “12tel Blicks” findet Ihr wie immer bei Tabea  - meine bisherigen Beiträge findet Ihr auf dieser Sammelseite.